Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Neulich in Meilen: Let’s dance!

Neulich sass ich in der Bar und trank ein Bier. Roger hielt mir seines hin. Die Gläser klirrten. Er eröffnete das Gespräch. «Es wird getanzt in unserer Gemeinde.» – «Ist doch grossartig», stimmte ich ins Thema ein.

«Alle können tanzen! Kein Alter und keine Beeinträchtigungen hindern daran, sich zur Musik zu bewegen.» Der Artikel über «Darf ich bitten?» in Meilen hat auch mich begeistert. Und Roger fuhr fort: «Aber auch da scheint es einen gewissen Männermangel zu geben. Der eine musste im Wechsel mit vier Frauen tanzen.» – «Das hält fit», meinte ich darauf. Roger aber setzte nach: «Eine Frau hat sogar gesagt, lieber keinen Mann als einen, der nicht tanzen kann.» – «Die hatte ein klares Auswahlkriterium.» – «Zum Glück ist das nicht bei allen Frauen so. Ich hätte keine Chance in der Damenwelt.» Roger schien tatsächlich aufzuatmen. «Man muss ja nicht klassische Schritte beherrschen, um tanzen zu können.» – «Wie meinst du das?» – «Ich gehe immer am letzten Samstag im Monat an die Oldies Night. Da laufen die klassischen Disco-Hits.» – «Ja, da muss man keinen Walzer können.» – «Das finde ich das Schöne an der Disco. Du kannst nichts falsch machen. Der einzige Fehler, wenn man so will, den du machen kannst, ist, dich nicht zur Musik zu bewegen.» Roger verzog das Gesicht. «Ich weiss nicht. Ich habe immer das Gefühl, das sieht komisch aus bei mir.» – «Es sieht immer nach dir aus. Das aber ist bestimmt nicht falsch oder schlecht.» Ich wurde ganz enthusiastisch. «Oft sehe ich in der Disco Jugendliche, die eigentlich gerne tanzen würden, sich aber nicht trauen. Denen würde ich am liebsten zurufen: Legt los! Ihr könnt nichts falsch machen. Das ist euer Leben, euer Tanz. Geniesst es jetzt. Es kommt nicht zurück.» – «Mensch», staunte Roger, «du kommst ja richtig ins Feuer.» – «Für mich ist das Tanzen zu einem Sinnbild fürs Leben geworden. Wenn du immer nur am Rand der Bühne stehst, bleibst du Zuschauer auch in deinem eigenen Leben.» – «Noch ein Bier?», warf Jimmy dazwischen. «Nein danke», sagte ich schnell. «Ich muss weiter.» Ich zahlte und sagte: «Bis in einer Woche», und während er Roger noch eine Stange hinstellte, antwortete Jimmy: «Bis nächste Woche.» Das kann man von den Menschen bei «Darf ich bitten?» lernen, dachte ich draussen. Sie wissen, dass sie nichts zu verlieren haben.

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