Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen
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Amtliches, obligatorisches Publikationsorgan der Gemeinde Meilen

Royaler Besuch beim Cha-Cha-Cha

Eingeladen sind alle mit Freude an der Bewegung, am Tanz und an Musik. Dabei spielt es keine Rolle, ob man eine Beeinträchtigung hat oder nicht, einen Rollator braucht oder an Demenz leidet. Jüngere Besucher sind genauso willkommen wie Seniorinnen und Senioren.

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Kurz vor 14 Uhr füllten sich am vergangenen Montag die mit farbigen Tischtüchern, Luftschlangen und Rosen dekorierten Tische im Martinszentrum. Die Wiedersehensfreude stand den Gästen der Veranstaltung des Vereins «Darf ich bitten?» ins Gesicht geschrieben. Es ist der erste Anlass in Meilen im neuen Jahr.

Die fast 20 Stammgäste treffen sich hier einmal monatlich, um zu Musik in den unterschiedlichsten Stilen zu tanzen. Willkommen sind grundsätzlich alle, die Freude am Tanzen haben. Damit immer genügend Tanzpartnerinnen und Tanzpartner zur Verfügung stehen, sorgt der Verein für Taxi-Dancer, die als versierte Könner jeden und jede in Schwung bringen.

Nun gingen die Blicke regelmässig zum Pult von DJane Abraxas, die Vorfreude darauf, endlich wieder das Tanzbein zu schwingen, stieg merklich an. Schon beim allerersten Ton aus den Boxen wurde freudig von den Sitzen gesprungen und die Tanzfläche gestürmt. Eines der ersten Paare auf dem Tanzparkett: Vreni und Hermann. Das Tanzen verbindet die beiden schon seit fünfzig Jahren, haben sie sich doch «auf dem Tanz» kennen und lieben gelernt. «Lieber keinen Mann, als einer, der nicht tanzen kann, das war meine Devise», erinnerte sich Vreni.

Tipps vom Tisch aus

Das Ehepaar kommt seit einem Jahr regelmässig zum Tanznachmittag und fühlt sich bestens aufgehoben: «Die Atmosphäre ist schön hier. Es spielt gar keine Rolle, wie gut jemand tanzen kann und wie oft er schon dabei war. Jeder wird mit offenen Armen empfangen, und der Umgang untereinander ist sehr herzlich», erklärt Vreni. So tanzen dann die Eheleute jeweils nicht nur miteinander, sondern auch mit anderen Partnern.

Das Tanzen hat Vreni aber wirklich im Blut, denn sogar wenn sie Pause macht, kann sie es nicht lassen, ihrem Hermi vom Stuhl aus Tipps zu geben, welche Tanzschritte am besten zur Musik passen. Den beiden gefallen bei «Darf ich bitten?» die unterschiedlichen Musikrichtungen, die berücksichtigt werden. «Wir wollen auch mal Cha-Cha-Cha tanzen, nicht nur zu volkstümlicher Musik. Wir können sogar Songs wünschen», sagt Vreni. Das bestätigt auch DJane Abraxas. Sie liest die Stimmung im Saal, passt die Songauswahl spontan an, «und wenn ich ein Stück nicht kenne oder nicht im Repertoire habe, wird es für die nächste Tanzveranstaltung organisiert».

Willkommene Abwechslung im Alltag

Dass die Veranstaltung für Menschen mit Demenz oder anderen Beeinträchtigungen geeignet ist, freut auch Fred, der mit seiner Frau Marianne gerne zum Tanznachmittag kommt. Sie leidet an Demenz und hat Parkinson. «Wir verbringen 24 Stunden am Tag zusammen. Diese zwei Stunden mit Musik, unter anderen Menschen und beim Tanzen sind eine höchst willkommene Abwechslung in unserem Alltag», erzählte Fred. Musik sei so oder so wichtig und könne viele positive Emotionen auslösen.

Ein echter Familienausflug

Zu den regelmässigen Besucherinnen gehören auch vier Meilemer Schwestern, die gemeinsam mit einer weiteren Freundin wann immer möglich zum Tanznachmittag kommen. Auch heute mit dabei: Theres, eine der Schwestern – trotz gebrochenem Bein, samt Krücke und grossem Gips. «Ich halte es kaum aus, auf dem Stuhl sitzen zu bleiben. Ich wäre viel lieber auf der Tanzfläche. Aber überhaupt nicht zu kommen, wäre noch schlimmer gewesen», erzählte sie und klatschte freudig zur Musik. Mit dabei sei übrigens auch der Gatte einer der Schwestern: «Der hat es immer streng, er muss mit uns vieren tanzen», sagte sie lachend.

Dass bei «Darf ich bitten?» wirklich jeder auf die Tanzfläche gehört, zeigte sich gegen Ende der Veranstaltung. Theres wurde inklusive Krücken in die Mitte der Tanzfläche geholt, und alle anderen tanzten im Kreis um sie herum. «Jeder wird integriert und gehört dazu. Ist das nicht wunderbar?», sagte sie zufrieden.

In den Pausen gibt es Kaffee und Kuchen

Plötzlich bewegte sich auch ein prominentes Paar auf der Tanzfläche. Sind das wirklich Harry und Meghan, die sich im Takt der Musik wiegen? Selbst Emmanuel Macron schien von der Veranstaltung in Meilen gehört zu haben und schwebte übers Tanzparkett. Masken und Perücken lockerten die Stimmung im Martinszentrum zusätzlich auf.

Während der selbst gewählten Tanzpausen servierten die Helferinnen und Helfer von «Darf ich bitten?» Kaffee, Tee, Kuchen und Schoggi-Herzli, und es wurden angeregte Gespräche geführt.

Spätestens beim Klang von «Italo Disco», Version Sommer 2023, war es aber vorbei mit der Pause. Der Song wurde von den Teilnehmern gewünscht und darum ins Programm aufgenommen. Wer also denkt, bei «Darf ich bitten?» gebe es nur verstaubte Klassiker, irrt. Frisch gestärkt gaben die Gäste nun noch einmal Vollgas. Und als kurz nach vier Uhr die letzten zwei Songs angekündigt wurden, machte sich Abschiedsschmerz breit. Aber lange dauert es ja nicht, bis es wieder heisst: «Darf ich bitten?»

«Darf ich bitten?» findet in Meilen immer am letzten Montag eines Monats von 14.00 bis 16.00 Uhr statt (aktuell im Martinszentrum, ab März wieder im Chilesaal im «Löwen»).

Informationen zu weiteren Standorten und Daten: www.darf-ich-bitten.org.

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